Montréal Deluxe

Obwohl ich momentan immer noch sehr viel arbeite, heisst das nicht, dass ich dabei wenig erlebe – nein, ganz im Gegenteil, denn die Menschen, die täglich in unser Restaurant kommen, sind wirklich interessant!

Gestern beispielsweise hat der Online-Lieferservice “Foodora” zehn Bloggerinnen und Blogger der Stadt auf einen “Food-Marathon” eingeladen: Der zweite Stop fand bei uns statt und mit etwas Verspätung kamen die Instagram- und Snapchat-Bekanntheiten dann auch herein. Besonders hungrig schienen sie schon nicht mehr zu sein, denn sobald ich das Essen brachte, wurde zunächst alles in das richtige Licht gerückt und sogar die Stühle bestiegen, um das perfekte Foto zu ergattern.

Eine andere Geschichte ist einer unserer Stammgäste: Der aus Südkorea stammende (Korean’ Bank-Mastercard) Student ist fast jeden Abend im Restaurant und bestellt sich immer mindestens zwei Gänge: Pasta und Pizza, manchmal auch eine weitere Portion Nudeln. Geld scheint dabei keine Rolle zu spielen und das Trinkgeld stimmt – Kein Wunder, wenn allein die Studiengebühren für Ausländer hier um die 10.000$ pro Semester betragen sollen. Das Essen nur halb fertig und die Flasche Cola kaum eingeschenkt, bringe ich die Rechnung und er verlässt wieder das Restaurant.

Gerade in letzter Zeit fällt mir vermehrt auf, dass wohlhabendere Kunden zu uns kommen, was womöglich an dem bevorstehenden Formel 1 Rennen in der Stadt liegt. Zahlreiche Touristen aus den Arabischen Emiraten, Asien, aber auch Europa, kommen an diesem Wochenende in die Stadt und lassen teilweise dafür sogar ihre teuren Autos verschiffen. Man zeigt eben gerne, was man hat: Mit teuren Stiften, Portemonnaies und Handtaschen aller bekannten Marken bestellen sie dann Prosecco (13$ pro Glas) und ein Stück Kuchen (8$). Einen dieser Herren fand ich heute jedoch besonders beeindruckend: Mit schlichter Kleidung und Softdrink machte er mir zunächst gar nicht diesen Eindruck, aber seine Kreditkarte verriet es: Er reichte mir seine schwarze American Express, titangefertigt, ohne jegliches Kreditlimit, kostet jährlich 2500$ und ist nur für ein ganz erlesenes Klientel zu haben: Mindestens 17 Millionen auf dem Konto sind Voraussetzung…

Ja, es ist Grand-Prix Wochenende, also bügelt eure Polohemden und leint euren Chihuaha an!

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