Good Morning, Kate!

Zugegeben, mein Leben hier in Victoria bietet momentan nicht allzu viel Material für einen Blogbeitrag: Ich fahre mit dem Bus zu Best Buy, mit meinem Fahrrad zum Liquor Store und den Großteil meiner Freizeit verbringe ich zu Hause, streiche den Zaun, putze Fenster oder versuche alte, handgeschriebene Rezepte für meinen Vermieter zu entziffern.
Immerhin, in letzter Zeit habe ich es häufiger mal in die Stadt geschafft, um mich zum einen für den Winter auszustatten, aber auch, um die wichtigsten Punkte meines Reiseführers zum Thema Victoria abzuarbeiten. Für die verbleibende Zeit habe ich mir dann vor einigen Tagen auch eine Ukulele zugelegt und spiele diese jetzt hochprofessionell im Eigenstudium.
Der schönste Teil meines Tages ist es häufig, wenn der Bus morgens am Meer vorbeifährt, noch ganz nebelverhangen und danach an einem großen See, wo ich das Training des kanadischen Nationalteams im Rudern beobachten kann.
In der vergangenen Woche stand jedoch ein ganz besonderes Ereignis vor der Tür und davon war auch in den Nachrichten schon seit Wochen die Rede: Prinz William und Kate hatten sich in Victoria angekündigt, um zusammen mit ihren beiden Kindern die Westküste Kanadas zu sehen. Die Queen ist schließlich immerhin, vertreten durch ihren „Governor General“, das offizielle Staatsoberhaupt des Landes und man hat weiterhin das Gefühl einer sehr engen Beziehung.
Die größte Feierlichkeit verpasste ich dann jedoch direkt am vergangenen Samstag, an dem die Familie am Flughafen landete, da erst wenige Tage vorher die offizielle Planung bekannt gegeben wurde und ich leider bereits zum Arbeiten eingeteilt war.
Ich wurde daraufhin ganz schön traurig, als ich die Liveübertragung von William, Kate, ihren beiden Kindern und dem Premierminister Justin Trudeau in unserem Laden sehen musste. Ich nahm mir also vor, die britische Königsfamilie zumindestens einmal live zu erleben.

Als ich am folgenden Dienstag dann jedoch am Nachmittag in die Innenstadt fuhr, um vor dem Government House auf deren Ankunft zu warten, musste ich feststellen, dass ich sie gerade um 20 Minuten verpasst hatte und mein Umweg damit umsonst war.
Ziemlich frustriert ging ich daraufhin nach Hause und plante, beim nächsten mal auf jeden Fall rechtzeitig da zu sein: Am Freitag weckte mich mein Alarm also bereits früh und ich nahm einen der ersten möglichen Busse.
Knapp zwei Stunden später hatten sich dann auch eine Menge anderer Menschen (hauptsächlich übrigens Frauen über 50, ich fühlte mich überraschend fehl am Platz) eingefunden und die Show konnte beginnen. Knapp 30 Motorräder der Polizei versammelten sich und schwärmten dann aus, um die Strassen abzusperren. Wenig später folgten eine Reihe von Autos mit Sicherheitskräften und in deren Mitte auch die Limousine der beiden Royals.
Der Weg und das Warten hatte sich gelohnt, denn Kate fuhr ihr Fenster herunter, winkte uns freundlich und wünschte einen Guten Morgen.

Vielleicht war die ganze Aktion dann doch ein wenig verrückt – aber immerhin war ich jetzt dabei!

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